Insights

1
Jun

The LBMA startet Initiative für die Innenstadt der Zukunft

Experten aus Smart City, Handel, Mobilität und Technologie entwickeln gemeinsames Reallabor für Kommunen

München – Im Rahmen eines erweiterten Boardmeetings der The LBMA – Location Based Marketing Association bei den Zukunftstagen Handel.Stadt am 11. und 12. Mai 2026 kamen in München zahlreiche Experten aus den Bereichen Smart City, Handel, urbane Datenplattformen, Mobilität, Robotik, Stadtentwicklung und digitale Infrastruktur zusammen. Ziel des Treffens war die Entwicklung eines gemeinsamen Pilotprojekts für die Innenstadt der Zukunft.

An dem Austausch beteiligten sich unter anderem Vertreter von MyTour, InLuma Innovations, CIMA Beratung + Management, trolleymaker, Diakom Digital, MetraLabs, Path Creator sowie weiteren Technologie- und Stadtentwicklungspartnern aus dem LBMA-Netzwerk.

Die smarte Modellstadt als Bühne für Innovation

Im Mittelpunkt des zweistündigen Boardmeetings stand die Entwicklung eines gemeinsamen Pilotprojekts unter dem Arbeitstitel „Erlebnis-Stadt mit Technology & Service“. Ziel ist es, eine kleinere Stadt oder Modellregion als Pilotstandort für ein gefördertes, technologiegestütztes Quartiers- und Standortprojekt zu gewinnen.

Geplant ist die Identifikation einer medienwirksamen Modellregion, in der konkrete Anwendungen aus Quartiersentwicklung, Mobility inklusive E-Mobility, Nachhaltigkeit, lokalem Marketing und datenbasierter Standortsteuerung praxisnah umgesetzt werden. Die Initiative verfolgt dabei einen bewusst praxisorientierten Ansatz: Technologien sollen nicht isoliert präsentiert, sondern intelligent miteinander vernetzt und sichtbar in den Alltag von Bürgern, Besuchern, Handel und Kommunen integriert werden. Grundlage der Diskussion war die gemeinsame Überzeugung, dass die Technologien für lebenswerte, datenbasierte und wirtschaftlich starke Städte bereits vorhanden sind. Entscheidend sei künftig jedoch deren intelligente Vernetzung, die Akzeptanz bei den Menschen sowie eine nachhaltige Integration in funktionierende Stadtstrukturen.

Eine zentrale These des Treffens lautete: „Technologie wird nur dann akzeptiert, wenn sie für Menschen sichtbar Probleme löst – nicht, wenn sie lediglich Daten produziert.“ Die Teilnehmer waren sich einig, dass Smart-City-Projekte künftig stärker den konkreten Nutzen für Städte und Menschen in den Mittelpunkt stellen müssen – etwa durch bessere Mobilität, lebendigere Innenstädte, nachhaltigere Prozesse, effizientere Kommunikation und eine höhere Aufenthaltsqualität.

Sebastian Deppe, Leiter des Mobility Boards der LBMA und Experte für Smart-City-Analytics und urbane Datenlösungen, formulierte eine der zentralen Herausforderungen: „Wir brauchen keine weiteren isolierten Pilotprojekte. Die Herausforderung besteht darin, Technologien dauerhaft in funktionierende Stadtstrukturen zu integrieren und echten Nutzen für Städte, Handel und Menschen zu schaffen.“ Besonders kritisch diskutierten die Teilnehmer die Vielzahl bestehender Insellösungen. Viele Kommunen hätten zwar digitale Einzelprojekte aufgebaut, häufig jedoch ohne langfristige Betriebsmodelle, personelle Ressourcen oder strategische Vernetzung der Systeme.

Ebenso intensiv diskutiert wurde die Rolle kleinerer Städte als Innovationstreiber. Eine weitere Kernthese des Boardmeetings lautete: „Die Zukunft smarter Städte beginnt nicht in Metropolen, sondern in kleineren Städten mit Mut zur Umsetzung.“ Kleinere Städte seien häufig schneller, pragmatischer und näher an Bürgern sowie lokalen Akteuren. Dadurch eigneten sie sich ideal als Reallabore für neue Technologien und Betriebsmodelle, die später auf größere Städte übertragen werden können.

Die Teilnehmer betonten zudem, dass die Zukunft urbaner Räume nicht allein im Rathaus entschieden werde, sondern im Zusammenspiel von Stadt, Handel, Wirtschaft und Technologiepartnern.

Erlebnis-Stadt mit Technology & Service

Das geplante Pilotprojekt soll unterschiedliche Technologien und Services intelligent miteinander verbinden – von Mobilität über Handel bis hin zu Besucherkommunikation, Robotik und digitalen Stadtservices.

Die Initiative orientiert sich dabei auch an erfolgreichen Erlebnis- und Servicekonzepten aus Freizeitparks und touristischen Destinationen. Unter dem Leitgedanken „Was können Städte von Freizeitparks lernen?“ diskutierten die Teilnehmer neue Ansätze für Aufenthaltsqualität, Besucherführung, Serviceerlebnis und digitale Kommunikation im urbanen Raum. Ein weiterer Schwerpunkt des Treffens war die menschenzentrierte Technologieentwicklung. Stefan Suchanek, Experte für Neuroästhetik und Retail Experience, betonte: „Technologie muss für Menschen intuitiv, verständlich und positiv erlebbar sein. Die Akzeptanz entscheidet darüber, ob urbane Innovationen langfristig funktionieren.“ Auch urbane Mobilität und E-Mobilität spielten im Boardmeeting eine zentrale Rolle. Diskutiert wurden neue Anforderungen an Ladeinfrastruktur, digitale Mobilitätsservices sowie die Integration autonomer Systeme und Robotik in zukünftige Stadt- und Handelskonzepte.

Carsten Szameitat, Vorstand der LBMA und Experte für Indoor-Navigation und Mobilitätslösungen, erklärte: „Ladeinfrastruktur wird künftig nicht nur für Autos benötigt, sondern auch für autonome Systeme, Lieferrobotik und digitale urbane Services. Städte müssen beginnen, diese Infrastruktur ganzheitlich mitzudenken.“ Besonders hervorgehoben wurde zudem die Bedeutung bereits vorhandener Dateninfrastrukturen und die Frage, wie bestehende Smart-City-Projekte sinnvoll weiterentwickelt werden können, anstatt nach Ablauf von Förderprogrammen wieder zu verschwinden.

Offener Aufruf an Städte und Projektpartner

Die LBMA startet deshalb ab sofort einen offenen Aufruf an Städte, Kommunen, Wirtschaftsförderungen und Technologiepartner, sich als Pilotstandort oder Projektpartner zu bewerben.